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Pharmaceutische Centralhalle
Alles über Tinten von 1901 – 1912
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Schoedlers Buch der Natur 1899
Mit dem Namen Gerbsäuren werden
amorphe Stoffe von sehr verschiedenem chemischen Charakter bezeichnet,
welche sich in Wasser mehr oder weniger leicht lösen, einen adstringierenden
Geschmack besitzen, in Eisensalzen einen blauen Niederschlag (Tinte)
hervorrufen, Eiweiss und Leim aus wässrigen Lösungen fällen und tierische
Haut in Leder verwandeln.
Pharmaceutische Centralhalle
1901, Heft 17, S. 412
Nachdem in Preussen 1888 „die
Grundsätze für amtliche Tintenprüfung" erlassen waren, folgte Dänemark
diesem Beispiel, indem es am 23. Februar 1889 „Bekjendtgjörelse"
veröffentlichte…
Neu war die Forderung, dass die
Schriftzüge „ nicht merklich an Intensität verlieren dürfen, wenn sie drei
Sommermonate lang der Einwirkung von directem Tageslicht ausgesetzt werden."
Zweitens wird verlangt, dass eine Copiertinte mindestens einen Tag nach dem
Trocknen noch gute und klare Copien geben" muss.
Pharmaceutische Centralhalle
1907, Heft 33, S. 705
Nach den preussischen Grundsätzen
muss eine Tinte der Klasse 1 mindestens 30 g Gerb- und Gallussäure, die
lediglich Galläpfeln entstammt, enthalten.
Die Prüfung erfolgt nach folgender
Methode:
10 ccm der Tinte werden mit der
gleichen Raummenge konzentrierter Salzsäure versetzt und in dem
Schüttelapparate nach Rothe 4 mal mit je 50 ccm Essigsäureäthylesther
ausgeschüttelt.
Die vereinigten Auszüge werden zur
Entfernung von übergegangenem Farbstoffe und Eisenchlorid 3 mal mit je 10
ccm halbgesättigter Chlorkaliumlösung ausgewaschen. Dann wird der Essigester
in einer Platinschale abgedunstet, der Rückstand mit wenig Wasser
aufgenommen, in einen gewogenen Tiegel übergeführt und nach dem Eindampfen 4
Stunden bei 140°C getrocknet.
Man erhält so das Gewicht der
wasserfreien Säuren zusammen. Da erfahrungsgemäss der Wassergehalt der die
Hauptmenge des Gemisches bildenden Gerbsäure 10 pZt (%) beträgt, so erhält
man das Gewicht der wasserhaltigen Säuren durch 1/9 des gesamten Gemisches.
Zur Bestimmung des Eisens werden 10
ccm der Tinte vorsichtig geglüht, das Eisen in Salzsäure aufgenommen und
jodometrisch bestimmt. Zu diesem Zwecke wird der Ascherückstand der Tinte
mit 1 – 2 ccm Salzsäure aufgenommen, gekocht, 1 – 2 ccm Chlorwasser
zugegeben und zur Trockene verdampft.
Der Rückstand wird mit 0.5 ccm
Salzsäure aufgenommen, erwärmt 20 ccm Wasser und 1 g Jodkalium zugesetzt.
Das ausgeschiedenen Jod wird mit Thiosulfat bis nahe zur Entfärbung titriert,
schnell auf 55° erhitzt zur völligen Ausscheidung des Jods und unter Zusatz
von Stärkekleister zu Ende titriert. Man kann das Eisen in der Tinte durch
Zusatz von Ammoniakflüssigkeit und Ammoniumpersulfat als Hydroxyd fällen,
abfiltrieren, mit Salzsäure aufnehmen und jodometrisch bestimmen.
Die Haltbarkeit der Tinten im Glase
ist nach den Dauerversuchen von Rothe und Hinrichsen (Chem.- Ztg. 1907, Rep.
78
Pharmaceutische Centralhalle
1908, Heft 46, S. 930
Die Verwendung von Tintenstiften
zur Herstellung von Urkunden ist nach dem im Königlichen
Materialprüfungsamte der Techn. Hochschule Berlin (Chem.-Ztg. 1908, 269)
angestellten Versuchen nicht angängig. Es wurden 24 verschiedene
Tintenstifte, deren Preise zwischen 0.10 und 0.35 Mark schwankten und die in
verschiedenen Geschäften Berlins gekauft waren, der Prüfung unterworfen.
Es ergab sich aber, dass in allen
Fällen durch vorsichtiges Radieren mit dem Gummi die Schriftzüge so
vollständig vom Papier entfernt werden konnte, dass keine auffallenden
Spuren der Behandlung zurückblieben. Ebenso leicht verschwanden die
Schriftzüge bei chemischer Behandlung. Tintenstifte können demnach zur
Anfertigung von Schriften, die Urkundenwert besitzen, nicht verwendet
werden.
Pharmaceutische Centralhalle
1908, Heft 49, S. 1043
Zur Methode der chemischen
Untersuchung von Tintenschrift hat Rich Kynast in dem Arch. F. gerichtl.
Schriftuntersuchung Bd.1, H.3, 374 eine grössere Arbeit veröffentlicht, aus
der folgendes zu berichten ist.
Mit Sicherheit lassen sich
Schriftfälschungen nur dann nachweisen, wenn Tinten verschiedener Art in
Frage kommen. Je ähnlicher der Charakter der benutzten Tinten war, desto
schwieriger wird die Unterscheidung sein. Bei gleichartigen Tinten ist sie
auf chem. Wege unmöglich.
Man unterscheidet vier Gruppen:
Tuscheartige Tinten aus
Kohlenstoff (Russ), sogenannte Sicherheitstinten
Eisengallustinten
Blauholztinten
Tinten aus Teerfarbstoffen.
Die Reihenfolge dieser Gruppen
deckt sich mit ihrem Alter und ihrer Beständigkeit.
Die bekannt gewordenen ältesten
Tinten bestanden nur aus Russ, der mit Hilfe eines Klebstoffes, meist
Gummi (arabicum) angerührt wurde. Während Russ der Einwirkung von
chemischen Mitteln und Licht nicht unterliegt, sind ebengenannte Tinten
abwaschbar, sodass ein Papyrus mit unverwaschbarer Schrift niemals antik
sein können. Unter dem Namen „Sicherheitstinten" verwendet man bis in die
Gegenwart russhaltige Tinten, die jedoch im Gegensatz zu den antiken
unverwaschbar sind, da bei ihrer Herstellung anstatt der Gummi- oder
Leimlösung eine wässrige Schellacklösung verwendet wird. Letzere erhält
man durch Kochen von Schellack mit Natriumkarbonat oder Ammoniak in
Wasser. Schriftzüge mit solchen Sicherheitstinten sind nach dem
Eintrocknen völlig unveränderlich und gegen jede Fälschung gefeit.
Höchstens lassen sich Änderungen mit der gleichen Tinte machen. Diese
verraten sich aber durch einen abweichenden Schriftduktus , oder sie
stehen nicht im richtigen Abstand zur ursprünglichen Schrift.
Erkennungsmerkmal der Sicherheitstinte ist ihre einzig dastehende
Unveränderlichkeit. Salz- und Schwefelsäure, Eau de Javelle und andere
Bleichmittel, Alkalien, Wasser und Alkohol, Licht und Luft verändern die
damit hergestellte Schrift nicht. Der Russgehalt macht aber solche Tinten
etwas dick und schmierig, so dass sie nicht recht beliebt wurden. Die
neuzeitlichen Sicherheitstempelapparate, welche Abdrücke im Papier durch
Perforieren, oder wie der Protektograph gleichzeitig durch Prägen, Ritzen
und Einfärben mit Sicherheitsfarbe herstellen, verdrängen die
Sicherheitstinte immer mehr.
Die Eisengallustinten bestehen
aus einem Tintenkörper (Eisenverbindungen mit Gerb- und Gallussäure durch
etwas freie Mineralsäure in Lösung gehalten) meist noch Extraktivstoffen
aus der Gerbstoffdroge oder direkt zugesetzten Verdickungsmitteln. Da
diese Tinten mit ganz matter Farbe aus der Feder fliessen, so müssen sie
durch geeignete Farbstoffe noch gefärbt werden. Dieses Anfärben begann
erst Mitte des vorigen (19. Jh.) und zwar zunächst mit Indigo, später mit
Teerfarbstoffen. Die heutigen Eisengallustinten, welche mit blauer oder
grünlicher oder schwarzer Farbe aus der Feder fliessen, müssen also mit
verschiedenen Farbstoffen versetzt sein. Die Eisengallusverbindung und die
übrigen Zusätze in der Tinte bieten dem Chemiker nur an frischen
Schriftzügen noch ein kennzeichnendes Unterscheidungsmerkmal, nämlich die
verschiedene Wasserfestigkeit, die sich in Bezug auf Kopierfähigkeit zu
erkennen gibt. Ganz frische Schriftzüge sind sämtlich etwas kopierfähig,
jedoch treten schon nach einigen Tagen in der Wasserfestigkeit sehr starke
Unterschiede auf.
Die Untersuchung der
Eisengallusschriftzüge stützt sich auf die Entwicklung der zugesetzten
Farbe und etwa vorhandener Kopierfähigkeit. Kopieren die strittigen Teile
eines verdächtigen Schreibens, alle übrigen nicht oder umgekehrt, so
wurden mit Bestimmtheit zweierlei Tinten benutzt-. Die verdächtigen
Stellen sind dann die späteren, an anderem Orte vorgenommene Abänderungen
der Urschrift.
Fällt die Kopie völlig
gleichmässig aus, so betupft man je einige der verdächtigen und
unverdächtigen Schriftzüge mit verdünnter Salzsäure. Infolgedessen fliesst
der zur Färbung benutzte Teerfarbstoff langsam aus der Schrift heraus, was
man mit dem Vergrösserungsglas deutlich sehen kann. Sind die Ränder und
Schatten der verdächtigen Schrift anders gefärbt as die unverdächtigen, so
sind verschiedene Tinten benutzt worden. Werden die vollen Schriften aber
sofort hell- oder dunkelrot bis bräunlich, so ist auf Blauholzfärbung zu
schliessen. Zum Schluss betupft man noch mit Blutlaugensalzlösung. Alle
eisenhaltige Schrift bekommt die prächtige Farbe des Berlinerblau. Der den
Eisengallustinten zugesetzte schwarze Farbstoff besteht zumeist aus einer
Mischung von Rosanilinblau mit Orange oder mit Napthol- bzw. Phenolschwarz
oder mit Napthol bzw. Phenolschwarz oder mit Fuchsin, oder mit gelben,
grünen und braunen Farbstoffen. Die Schrift solcher Tinten fliesst beim
Betupfen mit der Salzsäure oft in der dunkelroten Farbe wie bei
Blauholztinten aus. Eisenhaltige Blauholztinte nimmt beim Neutralisieren
der Schriftzüge mit Ammoniakflüssigkeit die ursprüngliche violettschwarze
Farbe wieder an. Reine Eisengallustinten erhalten dagegen beim
Neutralisieren den ursprünlichen Farbton nicht wieder, sie werden meist
bräunlich. Von Teerfarbstoffen und Mineralsalzen freie Eisengallustinten
lösen sich in Säuren einfach auf, ohne farbig auszulaufen.
Diese drei Reaktionen:
Abklatschen mit Wasser (kopieren), betupfen mit verdünnter Salzsäure und
später mit Blutlaugensalz liefern die sichersten Unterlagen zur
Unterscheidung verschiedener Tintenschriften. Verdünnte Schwefelsäure
wirkt ähnlich wie verdünnte Salzsäure.
Ein ganz besonders scharfes
Kennzeichen besitzen die Blauholzkopiertinten, welche noch nach Jahren
scharfe Kopien liefern, während sich die sauren eisenhaltigen
Blauholztinten dagegen durch eine ganz ungewöhnliche Wasserfestigkeit
auszeichnen.
Gegen Bleichmittel sind
Blauholztinten im allgemeinen weniger widerstandsfähig als
Eisengallustinten. Dies hat jedoch bei Schriftuntersuchungen wenig zu
sagen; denn die Schrift einer nicht abgelöschten kräftigen eisenhaltigen
Blauholztinte ist vielfach beständiger als die mit dem Löschblatt
abgetupfte einer Normaltinte Klasse 1.
Die letzte Gruppe schwarzer
Tinten aus Teerfarbstoffen kommt selten vor, ebenso wie die ausgestorbenen
Wolfram- oder Vanadintinten.
Unter dem Namen Melanin kommt
mitunter ein Tintenpulver aus grünen, roten und blauen Teerfarbstoffen in
den Handel. Auch die Nigrosintinten gehören hierher, sie sind aber wegen
ihres unangenehmen Geruches wegen sehr wenig im Handel. Alle Tinten aus
Teerfarbstoffen sind leicht auszubleichen. Die Schrift von Nigrosintinten
hat eine gewisse Ähnlichkeit mit der von Blauholztinte, doch gibt sie beim
Betupfen mit Salz- oder Schwefelsäure nicht den Farbumschlag dieser,
sondern bleibt beinahe unverändert. Mitunter fliessen die Schriftzüge
sogar ein wenig grauschwarz aus, sodass man sie für Eisengallustinte
halten könnte. Die Tintenschrift aus Teerfarbstoffen fliesst beim Betupfen
mit Salzsäure in den ursprünglichen Farben aus. Dies tritt besonders
deutlich bei Rot hervor. Beim Neutralisieren mit Ammoniakflüssigkeit tritt
der ursprüngliche Farbton nicht wieder auf.
Da sehr viele Papiere eisenhaltig
sind, so prüfe man erst das Papier auf einen etwaigen Eisengehalt, bevor
man die Schrift untersucht. Die eisenhaltigen Schriftzüge selbst werden
stets kräftig blau, wesentlich intensiver als eisenhaltiges Papier und
eisenfreie Schrift nimmt auch auf eisenhaltigem Papier nicht die Farbe des
Berlinerblau an. Obige Ausführungen ergeben, dass die chemische
Schriftuntersuchung einzig und allein nut Unterschiede zwischen
verdächtigen und unverdächtigen Schriftzügen feststellen kann. Möglich ist
der Nachweis, dass ein oder mehrere Schriftstücke nicht durchaus mit der
gleichen Tinte geschrieben sind, unmöglich dagegen ist der Nachweis, dass
verschiedenen Schriftstücke mit ein und derselben Tinte hergestellt worden
sind. Es lässt sich nur feststellen, dass die gleiche oder eine sehr
ähnlich Tintenart benutzt worden ist. H.M.
Pharmaceutische Centralhalle
1910, Heft 21, S. 466
Tinte für Füllfederhalter
Tannin 90g
Gallussäure 30g
Eisenoxydsulfat 60g
Eisenchloridlösung
(U.S.P) 30g
Indigotin 45g
Gummi arabisches 3,6g
Karbolsäure 3,6g
Wasser 4,5L
Man löst das Tannin und die
Gallussäure in etwa 3,5 L warmen Wassers, die übrigen Bestandteile in den
Wasserrest und setzt letztere Lösung zur ersteren. Nach zwei Wochen langem
Stehen wird filtriert.
–tz-
Midl. Drugg. And Pharm. Reviw 1909, 556
Pharmaceutische Centralhalle
1912, Heft 49, S. 1407
5 Grundregeln für die Behandlung
von Tinte
Dünnflüssigkeit: Jede Tinte muss
durch Verdunstung ihres Wassergehaltes und durch Zutritt von Staub
allmählich an Dünnflüssigkeit verlieren; man benutze daher stets
Tintenfässer mit nicht zu weiter Öffnung und schliesse sie nach Gebrauch.
Reste dick gewordener Tinte ersetze man durch frische Tinte. Der
unbrauchbare Rest kostet kaum einen Pfennig. Die Füllflasche ist gut
verschlossen und kühl aufzubewahren.
Haltbarkeit: Wenn Stahlfedern,
Korkstückchen oder sonstige Fremdkörper in das Tintenfass geraten,
verdirbt die beste Tinte. Man reinige daher das Tintenfass vor dem
Eingiessen frischer Tinte, giesse niemals frische Tinte zu Resten und
mische nie verschiedene Tintensorten. – Das Verdorbensein von Tinte zeigt
sich u.a. an einer auffälligen Veränderung des Farbtons. Ist Tinte in
einer verschlossenen und kühl aufbewahrten Füllflasche verdorben, so ist
sie entweder wissenschaftlich nicht richtig zusammengesetzt oder eine sehr
alte Füllung, die der Händler nicht verabfolgen sollte.
Abnutzung der Stahlfeder: Die
Spitze der besten Stahlfeder hält, auch wenn man mit Wasser schreiben
würde, nicht länger als eine Woche der fortgesetzten Reibung auf dem
Papier stand. Dabei haben 80 pZt
Der Verbraucher eine schräge
Federhaltung, welche die eine Zinke der Stahlfeder mehr mitnimmt als die
andere und sie deswegen meist noch schneller unbrauchbar macht. Man gebe
daher nicht der Tinte die Schuld, wenn die Feder nach so langer Benutzung
verschlissen ist. Wer dauernd angenehm zu schreiben wünscht, der wechsele
alle drei Tage seine Feder. Das gilt namentlich für den, der viel
Schreibarbeit erledigt. Die Ausgabe ist im Vergleich zu der Annehmlichkeit
verschwindend klein: Kaum 100 Federn im Jahr; keine 2 Mark! – Für
verschiedene Tintensorten verwende man nicht ein und dieselbe Feder.
Krustenbildung: Je öfter man die
Schreibarbeit unterbricht, desto schneller bedeckt sie sich mit
Tintenrückständen. Diese Erscheinung bezeichnen wir mit „Krustenbildung".
Ist eine Tinte wissenschaftlich richtig zusammengesetzt, so sollte die
Krustenbildung gering, nicht aber störend sein. Übrigens wird das Ansetzen
an der Feder sehr durch die bessere oder schlechtere Politur der Federn
beeinflusst.
Kopien: Bei der Auswahl von
Kopiertinte wird man vor allem anderen Rücksicht zu nehmen haben
auf die Zahl der gewünschten
Kopien
auf die Zeit, innerhalb der das
Kopieren der Schriftstücke stattfindet,
auf das Kopierverfahren
(Platten-Kopierpresse, Walzen-Kopiermaschine),
auf das Schreib- und Kopierpapier.
Auch wenn man nach diesen
Gesichtspunkten geeignete Tinte für den bestimmten Zweck ausgewählt hat,
erzielt man häufig genug unbefriedigende Kopien. Man beachte daher folgende
Winke:
beim Kopieren mit der
Plattenkopierpresse
Für dieses Verfahren sind
Blauholz-, Teerfarben- und Eisengallus-Kopiertinten geeignet. Erstere beiden
besitzen grössere und länger anhaltende Kopierkraft; letztere zeichnen sich
durch längere Haltbarkeit in der Flasche aus. Eisengallus-Kopiertinten
kopieren nur frische Schrift.
Rauhe Schreibpapiere – die besten
nicht ausgenommen – geben weniger gute Abzüge als glatte, feste, gut
geleimte Papiere. Billige, holzhaltige Briefpapiere oder Postkarten saugen
die Tinte auf und machen das Kopieren unmöglich. Je dünner das Kopierpapier,
desto deutlicher und zahlreicher die Abdrücke. Dicke Handschrift kopiert
besser als dünne Schriftzüge. Alte Schrift ist stärker ist stärker und
länger zu pressen als frisch geschriebene.
Wo flott kopiert werden muss (auf
grossen Büros mit viel Post) ist eine Kopiertinte, die auch bei flüchtigem
Kopieren gute Kopien gibt, nötig. (Gimborn’s Universal-Kopiertinte.) Als
Kopierpapier diene nur bestes, reines Seidenpapier; für mehrere Kopien ist
das gelbe, sogenannte Exportkopierpapier oder Japan-Kopier-Seidenpapier zu
bevorzugen. Man befeuchte das Kopierpapier so stark als nur irgend möglich
und entferne das überschüssige Wasser mittels eines Löschblattes. Zur
Erzielung mehrerer Kopien (4-6) befeuchte man ohne Zwischenlage soviel
Blätter Kopierpapier als man Abdrücke fordert, entferne das überschüssige
Wasser mittels Löschpapier und presse frische Schrift eine Minute, ältere
bis fünf Minuten. Man beginne mit schwachem Druck um der Tinte Zeit zu
lassen, sich zu lösen und in die verschiedenen Bogen Kopierpapier
einzudringen. Erst allmählich presse man stärker. Sofortige starke Pressung
macht die Schrift breit und lässt die Kopien verwischen.
beim Kopieren mit der
Walzen-Kopiermaschine:
Für diesen Zweck verwendet man
vorteilhaft Blauholz- und Teerfarben-Tinten. Wer den blauen ton der
Eisengallus-Kopiertinte unbedingt bevorzugt, kann eine solche für die
Kopiermaschine verwenden. Er muss dann aber die Schriftstücke sofort nach
der Niederschrift kopieren und möglichst dünnes Kopierpapier verwenden.
Besonders dünnes Kopierpapier ist auch dann notwendig, wenn mehrere Kopien
von einem Schriftstück nacheinander genommen werden sollen. Bei der ersten
Kopie drehe man die Spindel schneller als bei den folgenden. Auch kann man
den Druck am Anfang etwas schwächer nehmen. Überhaupt ist es von grösster
Wichtigkeit, dass die Kopiermaschine für die benutzte Tinte richtig
eingestellt wird. Werden verschiedene Schreibpapiere – rauhes und glattes –
oder verschiedene Sorten Kopiertinte in einem Büro benutzt, so ist das durch
verschiedene Einstellung der Maschine genau zu berücksichtigen, wie beim
Kopieren mit der Platten-Kopierpresse (s.o.).
Im übrigen gilt für die Auswahl des
Papiers und die sonstigen Massnahmen beim Kopieren dasselbe, was oben über
das Kopieren mit der Platten-Kopierpresse gesagt worden ist.
Aus einem Flugblatt der Firma H.
von Dgimborn A.-G. in Emmerich am Rhein.
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